Neben dem wohl ältesten Stollen „Fredholter Bank“ wurden weitere Stollen von den jeweiligen Zechen angelegt, die alle nach einigen Metern auf ein Flöz trafen.
Im Gegensatz dazu wurde der Tiefe Schlebuscher Erbstollen am tiefsten möglichen Punkt des Reviers angelegt um allen Zechen im Revier Schlebusch als Entwässerungsstollen zu dienen.
"Der Schlebuscher Erbstollen, die bedeutenste Anlage ihrer Art im Ruhrgebiet, erbringt heute noch den Beweis, daß in den Zeiten geringen technischen Könnens der Bergbau vor schwierigen Aufgaben nicht zurück schreckte, sie vielmehr mit zähem Willen und eiserner Beharrlichkeit zur Ausführung brachte." So schrieb Ewald Rumscheid aus Silschede bereits im Jahre 1930 über den Erbstollen
Man kann kaum ermessen, was für ein riesiger Aufwand getrieben wurde, um diesen Stollen zu verwirklichen. Nachdem die oberen Kohlenvorräte abgebaut waren, musste ein tieferer Wasserabfluß her um die tieferen Flözteile zu erreichen.
Im Jahre 1765 begannen die Arbeiten an diesem Jahrhundertbauwerk. Die ersten Meter wurden als "Graben" aufgefahren, der anschließend mit schweren Steinplatten abgedeckt wurden. Der Vortrieb erfolgte anfangs ausschließlich mit Schlägel und Eisen, erst später begann man mit Schwarzpulver zu schießen (Sprengen). Nach 15 Jahren Arbeit war der Stollen 1045 Meter lang, man schaffte also im Durchschnitt knapp 70m pro Jahr. Das Gestein, hauptsächlich Ruhrsandstein, musste aus dem Fels geschlagen und abtransportiert werden. Später Danach wurde der Stollen mit Holzstempeln oder Gewölbemauerung ausgebaut. Die Stempel wurden später durch Gewölbe ersetzt, oder fielen ganz weg, weil der Stollen auch ohne sie nicht verbrach.
Man legte in regelmäßigen Abständen Lichtlöcher zur Bewetterung an, es blieb aber immer nur das letzte offen, weil man nur so eine ausreichende Luftzufuhr vor Ort hatte. Die anderen wurden wieder verfällt oder abgedeckt. Die Lichtlöcher dienten auch dazu die Berge nach über Tage zu schaffen, Material in den Stollen zu bringen und zur Einfahrt der Belegschaft.

In den Stollen wurden Schienen eingebaut, die oberhalb der Wasserseige auf Eichenstegen lagen, damit der Grubenwagen trockenen Fußes geschoben werden konnte. Diese Schienen dienten aber weniger der Förderung, als mehr dem Materialtransport. Kohlen- und Eisenerzabbau wurde nur minimal betrieben. Die Besitzer des Stollens lebten hauptsächlich vom Flußgeld der angeschlossenen Zechen.
Ca. 1810 erreichte der Erbstollen das erste bauwürdige Flöz (Flöz Trappe) und nachdem ein tonnlägiger Förderschacht auf den Stollen niedergebracht wurde konnte endlich mit der Förderung begonnen werden. Nach 45 Jahren Zuschußwirtschaft wurde jetzt zum ersten Mal mit dem Stollen Geld verdient.
Die Länge betrug damals ca. 2km. 1819 wurde die Erlaubnis erteilt um den Stollen bis Sprockhövel-Horath zu treiben. Da ab hier der Stollen die meiste Strecke im Flöz aufgefahren wurde, und die Technik auch Fortschritte machte, ging der Vortrieb wesentlich schneller voran. Schon 1835 hatte er eine Länge von 4331m, mit Flügelörtern 5,5km. Der Besitzer, die Schlebuscher Gewerkschaft, der auch die Zeche Trappe gehörte , hatte damit ihr gesamtes Grubenfeld entwässert, und dementsprechend kein Interesse mehr den Stollen weiterzutreiben. Die Bergbehörde verlangte allerdings, dass der Erbstollen bis nach Sprockhövel-Schee, dem Ende der Herzkämper Mulde aufgefahren werden soll. Die Mehrteufe würde dort gegenüber den vorhandenen Erbstollen über 60m betragen. Am 04.02.1841 wurde die Erbstollenberechtigung auf die Gewerkschaft Dreckbank übertragen, die ab jetzt die Auffahrung übernahm. Der Stollen heißt ab hier Dreckbänker Erbstollen. Die Auffahrung ging jetzt zügig weiter, 1847 betrug die Gesamtlänge 6767m und 1855 schon 9361m. Im Jahre 1890, 91Jahre nachdem die erste Dampfmaschine im Ruhrgebiet zur Wasserhaltung eingesetzt wurde, erreichte er seine Endlänge von ca.12km, inkl. Flügelörter 15km, die entwässerte Fläche beträgt knapp 40 Quadratkilometer.
Angeschlossenen waren die folgenden Zechen: St. Peter&St. Paul, Wülfingsburg, Dachs&Grevelsloch, Neue Glück&Nachtigall, Gabe Gottes&Dreckbank, sämtliche Stock&Scherenberger Gruben, Kaninchen&Leveringsbank, Hasenberg, Jungfer Anna&Sybilla, Windmühle&Bockmühle, sämtliche Sieper und Mühler Gruben, Stöcker Dreckbank, Buschbank, Glück auf, Friedrich Wilhelm, Glücksberg I&II, Eisensteingrube Haßlinghausen und Herzkamp, Neuefund und natürlich Vereinigte Trappe.
Nachdem Ende 1925 die beiden Großzechen Deutschland, entstanden aus der Konsolidierung vieler kleiner Zechen, und Trappe stillgelegt wurden verlor der Erbstollen erstmal seine Bedeutung. 1934 entstand in Albringhausen die Zeche Neuwülfingsburg die oberhalb der Stollensohle abbaute, und ihre Grubenwasser in den Erbstollen einleitete. Nach dem Krieg kamen die Kleinzechen Ulrich und Windmühle dazu, die aber nur kurz in Betrieb waren. Nachdem auch Neuwülfingsburg im Jahre 1967 geschlossen wurde kam das endgültige aus für dieses unglaubliche Bauwerk. Er entwässert aber auch heute noch das gesamte Gebiet.
Noch mal Herr Rumscheid: "Der Schlebuscher Erbstollen ist ein Kulturgut der Heimat, das verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden."
Und genau das ist eine unserer Aufgaben die wir zu lösen haben !
Ab 2002 hat der Arbeitskreis damit begonnen, den Stollen zu dokumentieren und zu sanieren, soweit es Personal, Ausrüstung und Kapital zulassen.
Lassen wir nun die Eindrücke der Befahrungsberichte sprechen:
Link zu dem Befahrungsberichten
Marco Kiessler / Oliver Glasmacher
Literatur:
Ewald Rumscheid - Der Schlebuscher Erbstollen, 1930
Joachim Huske - Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier 2. Auflage