An dieser Stelle eine Warnung:

Für die Befahrung des Erbstollens werden sehr spezielle Ausrüstungsgegenstände und besondere Kenntnisse zum Verhalten im Altbergbau benötigt. Wir können nur jedem Laien dringend davon abraten den Stollen illegal zu befahren!
Fragen zum Thema beantwortet aber gerne der Verfasser des Berichtes (Siehe unter Mitglieder). 

Befahrung Schlebuscher Erbstollen am 15.06.2002
 
Der Bericht beruht auf Informationen, die zum damaligen Zeitpunkt vorlagen.
Neu Kenntnisse wurden nicht mehr nachträglich eingebracht.
 

Bericht von Marco Kiessler
 

Befahrung des Schlebuscher Erbstollens durch Mitglieder des
Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. (FV), Arbeitskreis Wetter / Herdecke
und der
Grubenarchäologischen Gesellschaft (GAG)
am 15.06.2002 von 12.00 - 18.10Uhr.


Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken.
 
 

Teilnehmer Untertageteam:
Siggi Lettau (FV Wetter/Herdecke, GAG)
Carsten Säckl(FV Wetter/Herdecke, GAG) 
Karsten Plewnia (FV Essen, GAG) 
Marco Kiessler (FV Wetter/Herdecke, GAG)

Teilnehmer Übertageteam:

Karl Hebeker (FV Wetter/Herdecke)
Fritz Späth (FV Wetter/Herdecke)
 


 
 


 

Anfang Mai 2002 entschieden wir uns auf einer Arbeitskreissitzung der Arbeitsgruppe Wetter / Herdecke die Befahrung des Schlebuscher Erbstollens in Angriff zu nehmen, die letzte offizielle Befahrung fand unseres Wissens im Jahre 1980 statt, ein Befahrungsbericht dazu liegt uns leider nicht vor. Über den jetzigen Zustand des Stollens war nur bekannt, daß vor allem in der regenreichen Zeit sehr viel Wasser fließt und ein für Altbergbau starker Wetterzug vorhanden ist. Aus diesem Grunde wurden die Sicherheitsmaßnahmen diskutiert. Wir einigten uns darauf, ein Telefonkabel in den Stollen zu legen, um im Notfall per Telefon schnell Hilfe in Form der Höhlenrettung holen zu können.
Die GAG ist Mitglied in der Höhlenrettung Baden-Württemberg, die GAGler auch im Altbergbau kostenfrei rettet. Außerhalb Ba-Wü arbeitet die Höhlenrettung mit dem Bundesgrenzschutz zusammen, so daß auch in NRW eine schnelle Rettung gewährleistet ist.
Das Untertageteam sollte aus mindestens vier Mitgliedern bestehen, von denen zwei mit der Verlegung der Leitung beschäftigt sind und die anderen beiden die Vermessung des Stollens zu erledigen hatten.
Ein weiteres wichtiges Ziel war eine Zustandsaufnahme, um einer möglichen Gefahr des Verbrechens des Stollens vorzubeugen.
Nachdem man sich am 15.06.2002 um 11.30 am Mundloch eingefunden hatte und alle Ausrüstungsgegenstände vor Ort geschafft waren, wurde die "Einsatzzentrale" bestehend aus einem Campingtisch, zwei Stühlen und besagtem Telefon eingerichtet. Zunächst sollte der Stollen in Richtung Rösche ohne große Ausrüstung befahren werden.

 


Das Foto entstand im Winter wie man sieht.

Der Fahrschacht ist relativ eng, so daß man ihn nur kniend durchfahren kann. Im oberen Bereich steht die Mauerung noch einigermaßen gut, nach ca. 6-8m hat sie starken Druck bekommen und man sollte über eine Reparatur nachdenken. Der restliche Fahrschacht bis zum Stollen nach 12m ist wieder sehr gut erhalten, man kann am Ende auch fast aufrecht stehen.
 
 
 

 



Der Fahrschacht von unten aus gesehen.
 
 
 

  Die druckhafte Stelle als Nahaufnahme

Erfreulich war der niedrige Wasserstand trotz der Regenfälle in den letzten Tage. Am Ende des Fahrschachtes nach ca. 12m konnte man mit normalen Gummistiefeln trockenen Fußes im Stollen stehen. Da aber mit höheren Wasserstände gerechnet wurde, bestand die Ausrüstung der Befahrer aus Neopren-Anzügen, bzw. aus Neopren-Tiefwathosen.
Der Zustand des Stollens im Bereich des Fahrschachtes ist als sehr gut zu bezeichnen, die Breite beträgt ca. 1,10m, die Höhe ca. 2,5m. Er steht komplett in Trockenmauerung, der man die über 150 Jahre nicht ansieht. Die Mauersteine sind alle geschlägelt worden, nicht ein einziger ragt in den Stollen hinein, hier wurde bei der Erbauung ein sehr großer arbeitsmäßiger und finanzieller Aufwand getrieben.
Dieses Gewölbe kommt ohne ein Gramm Zement aus.


Blick von Fahrschacht stollenaufwärts. 

 


Blick vom Fahrschacht Richtung Rösche. 



Leicht eingedrücktes Gewölbe im Stollen


 

Nach ein paar Metern ist das Gewölbe allerdings auf einer Fläche von ca. 2m x 0,5m um ca.5cm eingedrückt. Ein Verbruch droht hier aber wahrscheinlich erst mal nicht, es werden aber in Zukunft an allen kritischen Stellen Konvergenzmessungen durchgeführt.

Als Nullpunkt für die Vermessung hat unser "Markscheider" Siggi Lettau den Fahrschacht angenommen.
Die Strecke Richtung Rösche habe ich mit einem Minuszeichen versehen, damit keine Verwechslung auftritt.
Zwischen Stollenmeter -34m und -60m wachsen Wurzeln durch die Firste, zum einen feine Haarwurzeln, die das Wasser bisher nicht erreicht haben, zum anderen auch zwei relativ massive Stammwurzeln. Diese sollten entfernt, und weiteres Wachstum "in der Wurzel erstickt" werden.








 


 

 

 

 

Bei -63,8m befindet sich im linken (westlichen) Stoß ein kleiner Abzweig von 40cm x 40cm aus dem noch Wasser fließt. Er sieht aus wie eine uralte Abwasserleitung und steht ebenfalls in Trockenmauerung.
 
 

 
 
 

 

Bei Stollenmeter -96,4m befindet sich im rechten (östlichen) Stoß eine Tafel. Nach unseren Erkenntnisse bezieht sich diese Tafel auf die Mauerung. 
Im Jahre 1824 wurde vermutlich die ursprüngliche verfaulte Zimmerung gegen das Gewölbe ausgetauscht. Der Pfeil zeigt Richtung Rösche, darüber steht "18 7/8 LT" (LT=Lachter),das entspricht der Entfernung bis zum Ende der Mauerung an der die Rösche beginnt nach 39,4m. Unter dem Pfeil stehen noch die Buchstaben H-T-D.  


 

Bei -121,4m fanden wir im westlichen Stoß einen weiteren Zugang, eine Treppe, die relativ steil nach oben führt und nach ca.3m durch eine Steinplatte abgedeckt ist. Die Treppe ist zwar dick verschlammt, aber noch in sehr gutem Zustand.


 
 

Der Stollen wird nun langsam flacher und wir nähern uns der Rösche, die bei -137,9m beginnt.
Die Rösche hat eine Höhe von ca. 100cm, wovon 70cm vom Wasser in Anspruch genommen werden. Die Länge wurde nur geschätzt, weil sich kein Freiwilliger fand um sie zu vermessen. Sie beträgt ca. 35m, am Ende konnte man das Tageslicht sehen. Die Rösche ist auf der ganzen Länge mit großen Steinplatten abgedeckt, auf dem Foto erkennt man ein Teilstück das schon mal ausgebessert wurde. Im mittleren Teil der Rösche sieht man zwei alte Grubenbahnschienen, die nur noch sehr dünn sind. Ob sie eine tragende Funktion haben müßte noch mal geklärt werden, wenn ja, sollten sie dringendst ausgetauscht werden.

 

Wir begaben uns dann wir nach Übertage, um der gespannten Üt-Mannschaft Bericht zu erstatten. Um 13.00 ging es dann wieder in den Stollen in Richtung Sprockhövel. Der linke Stoß ist jetzt östliche und der rechte der westliche.
 

Auf dem Weg zur Rösche, und auch jetzt den Stollen rauf merkt man immer mal wieder, dass in der Sohle mal eine Wasserseige eingeschlagen wurde. Beim Laufen tritt man dann auf einer Seite ca. 20cm tiefer, weil man den Unterschied nicht immer erkennen kann, vor allem wenn der Vordermann den Schlamm aufwirbelt. Die Seite auf der die Seige liegt, wechselt auch schon mal. Man erkennt im unteren Bereich der Mauerung die alten Bühnlöcher, in die das Tragewerk der Laufbohlen und Schienen eingelegt war. Sie liegen etwa 20-30cm oberhalb des Wasserspiegels. 


Auf der linken Seite befindet sich hier die Wasserseige, nur zu erahnen an der dunkleren Sohle.


 
 


Sehr gut ist der dunkle Kohlenstreifen zu erkennen, der trotz der Jahrhunderten an der Luft noch gut erhalten ist. Die Kohle ist allerdings von schlechter Qualität.
Im Hintergrund sieht man noch das Ende der Mauerung.

Zwischen 89m und 93m befindet sich eine nahezu rechtwinklige Linkskurve, die in neuerer Zeit mal betoniert wurde. Kurz darauf verlassen wir die Mauerung bei 104m. Von hier an steht der Stollen im Fels und schneidet direkt das erste Flöz an. Es hat eine Mächtigkeit von ca. 80cm. 
 


 

Ein paar Meter weiter, bei 132,8m, treffen wir auf ein weiteres dünnes Flöz von 20cm. Das Einfallen der Flöze
 beträgt etwa 15-20° in südlicher Richtung. Bei 139,8m finden wir Inschriften, auf dem östlichen Stoß ist "HRW"
 und auf dem westlichen Stoß "AB" und "1828" eingemeißelt.


 
 

Nach 201,7m steht der Stollen wieder für 6,6m in Mauerung, im östlichen Stoß ist ein zugeschüttetes Lichtloch zu erkennen, ...


 

... ein weiteres im westlichen Stoß nach 226m.

Das westliche Lichtloch ist mit Backsteinen ausgemauert und ca. 3-4m hoch. Von der Seite mündet ein Steingut-Rohr in 2m Höhe in den Schacht. Es könnte sich um ein Abwasserrohr handeln und liegt im Bereich des alten Steinbruchs. Ob dieses Lichtloch zu Betriebszeiten angelegt wurde, ist fraglich, möglicherweise wollte hier jemand mal einen günstigen Wasserabfluß schaffen. Von Übertage wurde mal eine Kernbohrung niedergebracht die in der Schachtmauerung landete.

 

Der Stollen steht danach wieder im Fels und man erkennt immer mal wieder zwischen den Schlägelspuren in der Firste auch Bohrlochpfeifen. Laut den vorhandenen Unterlagen ist der Stollen in den ersten Baujahren nur mit Schlägel und Eisen aufgefahren worden. Möglich ist aber auch, dasser noch mal mit Sprengtechnik erweitert wurde.
Nachdem der Stollenverlauf bisher sehr kurvig war, geht es ab jetzt gerader zu. Kurven sind zwar immer noch vorhanden, aber nicht mehr in dem Maße wie zuvor.
Der Grund dafür das der Stollen nicht schnurgerade verläuft, liegt darin die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu bremsen, um die mitgeführten Sedimente gezielt an den künstlichen Prallflächen absetzen zu lassen. Die Beseitung machte so bedeutend weniger Probleme.

Ein ca. 45cm Flöz an einem Verwurf finden wir bei 340m, gleiches Einfallen wie die beiden anderen Flözen.
 

Bei 423m befindet sich am westlichen Stoß ein Gedingezeichen "H1". Nach 461,8m treffen wir wieder auf ein Flöz, es hat ca. 50cm Mächtigkeit.


Im Vordergrund unser "Kabelverlegungsboot". 



Wir treffen immer wieder auf kurze gemauerte Stücke im Stollen, zum Teil erkennt man, dass hinter der Mauerung mal ein Hohlraum war. Es handelt sich um kleine Abbaue oder um verfüllte Lichtlöcher.
 
   


Man erkennt sehr gut, bis wohin das Wasser schon mal stand.


Ein paar schöne Sinter.


 

Das dritte nicht komplett verfüllte Lichtloch finden wir nach 705,4m. In der westlichen Mauerung befindet sich ein kleiner Abzweig, in den man reinkriechen muss, nach ca. 3m wird man dafür mit der Aussicht auf das schönste Lichtloch im ganzen Stollen belohnt. Es ist ein ovaler Schacht in Trockenmauerung, Durchmesser ca. 2,0m x 1,5m. Oben erkennt man eine Abdeckung. Bei der Höhe konnten wir uns nicht einigen, die Spannweite der Schätzungen reichte von 8m - 25m.


Der Abzweig zum Lichtloch mit Kabelmannschaft.

 


Blick in den Abzweig zum Lichtloch.

 


Das schönste Lichtloch das wir auf der Befahrung gesehen haben..


War im vorderen Teil des Stollens die Vermessung wegen der vielen Kurven sehr zeitraubend, so mußten die "Markscheider" jetzt auf die "Fernmeldetechniker" warten, weil alle 20m ein Nagel im Stoß befestigt werden mußte, was nicht immer ganz einfach war bei gewachsenem Felsen.
 

Nach einem wenig spektakulären längerem Stück konnte man ein Rauschen wie von einem Wasserfall hören, was mit jedem Schritt lauter und bedrohlicher wurde. In Erwartung einer großen Flutwelle waren wir doch etwas überrascht, als wir an einem kleinen Rückstau standen, über den das Wasser mit lautem Getöse rauschte.

Die Ursache des Staus war auch schnell ausgemacht. Die vierte sichtbare Tagesöffnung nach dem Fahrschacht liegt über dem Stollen bei 1262,5m. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei nicht um ein Lichtloch, sondern um einen Förder- oder Materialschacht. Er hat die Ausmaße von ca. 1,1 x 2,2m und steht ohne Ausbau im Fels. Die geschätzte Höhe beträgt 25m (Da waren wir uns diesmal einig). In den Schacht war mal eine Bühne eingebaut, heute sind nur noch die Bühnlöcher sichtbar. 


Am Ende erkennt man das Widerlager und die Abdeckung


Sepp am Schacht.


Die Steinbrocken, die das Hindernis im Stollen bilden, sind wohl in den Schacht gefallen, bevor dieser abgedeckt wurde. Der Schacht selber ist so stabil, dass sie hier nicht ausgebrochen sind.
Das Hindernis zu beseitigen wäre hilfreich, weil im nachfolgenden Teil der Wasserstand doch merklich höher ist. Waren bisher Wasserhöhen von 20cm-80cm zu bewältigen, so sind es ab hier um die 110cm.
 

Ein weiteres Flöz. Die Qualität der Kohle ist hier schon ganz gut. Das Wasser steht bis zum Bauch.


 
 

Im weiteren Verlauf befindet sich im westlichen Stoß bei 1430m ein weiteres Gedingezeichen "H-H".


 
 

Nach 1500m war dann das Telefonkabel komplett verlegt, auf der Trommel sollten eigentlich nur 1000m gewesen sein, eine angenehme Überraschung. Wir meldeten uns beim Übertageteam ab und ließen das Boot mit der Kabeltrommel zurück um den Stollen noch weiter zu erkunden. 


Die leere Kabeltrommel.


 
 
 
 

Aus terminlichen Gründen blieb aber leider nur wenig Zeit, wir beendeten unsere Befahrung an der fünften sichtbaren Tagesöffnung, die genau wie der Schacht zuvor über dem Stollen liegt und auch die gleichen Maße aufweist. Der große Unterschied ist allerdings das aus diesem Schacht sehr viel Wasser fließt und man nicht ohne geeigneten Augenschutz nach oben sehen kann. Es handelt sich hierbei vermutlich um Lichtloch Nr.16.


Letzte Messung unseres Markscheiders.

 

 


Kurze Pause mit Wetterprüfung bevor es zurück ging.
   
 
 
 

 


Am westlichen Stoß befindet sich ein großer Haken. Diese Markierung war der Endpunkt unserer Vermessung, wir haben vom Fahrschacht aus eine Länge von 1863,7m befahren, vermessen und dokumentiert.
Bis zur ersten abbauwürdigen Kohlenbank wäre es zwar nicht mehr weit gewesen, aber wir hatten die Order bekommen, um 18.00 wieder über Tage zu sein, weil unser AK-Leiter terminlichen Verpflichtungen nachgehen musste.
Der Rückweg war dann auch in ca. 45min geschafft, so dass wir um 18.10 wieder ausfuhren.
 


Carsten Säckl

 


Siggi Lettau

 


Marco Kiessler

 


Der vierte Kollege Karsten Plewnia ist hier rechts zu sehen.

Die Nachbesprechung und Aufräumaktion dauerte dann noch eine Stunde und um 19.15 wurde die Aktion beendet.
 

Und hier gehts weiter zur zweiten großen Befahrung